50 Fälle Psychiatrie und Psychotherapie: Bed-side-learning (Elsevier)

Dieses Buch ist nicht unverzichtbar, aber auf jeden Fall sehr lesenswert. Wie der Name schon sagt, gibt es 50 Fälle, welche alle ein Thema aufgreifen (C2-Abhängigkeit, ADHS, hebephrene Schizophrenie…).
Gegliedert wird es durch ein kurzes Fallbeispiel am Anfang, dann kommen Fragen („wie gehen sie jetzt vor?“), die darunter beantwortet werden.
Allerdings kann man nicht, wie man sich jetzt evtl. denken könnte, die Antworten einfach weglassen, und die Fragen selbst beantworten. Die weiterführenden Fragen bauen nämlich auf den Antworten auf.
Dennoch kann man gut damit lernen oder auch sehr schön damit schon gelerntes Wissen „praktisch“ anwenden. Die Antworten werden kurz angerissen, man kann sich dann weiter mit der Thematik (z.B. Lithiumtherapie) beschäftigen.

Sehr gut ist, dass es endlich mal praktische Fallbeispiele für sonst nur allzu theoretisch behandelte Themen gibt, wie z.B. Agranulozytose bei atypischer Neuroleptikaeinnahme, malignes Neuroleptisches Syndrom…

Weiterhin macht es sich das Buch auch nicht einfach. Klar gibt es auch Fallbeispiele, wie der 50Jährige alkoholabhängige Maurer, der nach durchlaufen des Suchttherapiesystems (Entzug mit AHB) für sein restliches Leben trocken bleibt.
Doch es gibt auch die therapieresistente Depressive, die über 10 Seiten mit allerlei Medikamentenwechseln traktiert werden muss. Dabei wird auch das Cytochrom-P450 System angesprochen, verschiedene Denkweisen und Begründungen warum diese Therapie und nicht jene jetzt besser ist, fließen mit ein.
Dabei ist eigentlich alles sehr genau beschrieben, nicht einmal der therapeutische Lithiumspiegel im Blut, und der daraus resultierende pathologische Spiegel fehlen.

Bei alledem muss man bedenken, dass es immer noch ein Lehrbuch ist. Der Heroinabhaengige, der inzwischen seinen 300. Aufenthalt auf der Polytox-Station hat, das Methadon vom Programm verkauft und der jegliche Gesprächstherapie ablehnt, fehlt natürlich. Bei einigen Fällen zeigt sich doch sehr deutlich, dass es sich um einen konstruierten Fall handelt, was jedoch an der Qualität der Fälle keinen Abbruch tut.

Insgesamt ist dieses Buch, v.a. für diesen unschlagbar günstigen Preis (19,90EUR zum Zeitpunkt der Rezension) uneingeschränkt zu empfehlen, sowohl für Ärzte (Die Fallbeispiele werden meist aus der Sicht eines Assistenzarztes beantwortet), als auch für (Fach-)Pfleger.
Pflegekräfte anderer Fachrichtungen sollten die Finger davon lassen, für ein „allgemein informierendes Buch“ geht es zu sehr in die Tiefe. Für Psychiater hingegen ist es wohl zu wenig.

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