Gray’s Atlas der Anatomie für Studenten (Elsevier)

Was zeichnet einen modernen Anatomie-Atlas heutzutage aus?

Der als Teil der Serie „Gray’s Anatomie für Studenten“ von den amerikanischen Autoren Drake und Mitchell herausgegebene „Gray’s Atlas der Anatomie“ verbindet eindrucksvoll die Vorteile der bewährten Netter- Atlanten mit einer wegweisenden Einbeziehung klinischer Aspekte und der Bildgebung.

Inhaltlich deckt der relativ kompakte Atlas fast die gesamte Anatomie ab, lediglich das ZNS wird kaum dargestellt (was aber auch im Lehrbuch der Gray’s- Serie nicht abgedeckt wird).

Da sich im Fach Anatomie heutzutage wohl kaum noch etwas am Inhalt ändert, ist es eher die Entwicklung in der Didaktik, die sich in neuen Lehrbüchern niederschlägt. Das Konzept hinter den Abbildungen in der Gray’s- Reihe ist die kontrastreiche Darstellung der wichtigen Strukturen. Die Bilder sind ziemlich stark schematisiert. Dies hat den Vorteil, dass man sich die relevanten Teile in den (Computer-) Zeichnungen sehr gut einprägen kann und sich so leichter das Bild wieder vor Augen rufen kann – wenn man eher visuell lernt.

Alle Bildbeschreibungen sind nach der korrekten medizinischen Terminologie verfasst. Dazu steht auf jeder Seite noch eine kurze Beschreibung oder ein Titel der jeweiligen Abbildung in deutscher und englischer Sprache dabei. Der Gray’s- Atlas ist an sich jedoch wirklich „nur“ ein Anatomieatlas, der keinerlei Anspruch auf die Funktion als Lehrbuch- Ersatz erheben kann. Kapitel wie „Lernlisten“, „Muskeltrainer“ etc., wie man sie vom Sobotta, Prometheus oder Tillmann gewöhnt ist, findet man hier nicht an. Diese Informationen gehen jedoch trotzdem nicht verloren, da zum Beispiel die Ursprünge, Ansätze und Versorgungen der Muskel auf speziellen Abbildungen sehr gut dargestellt sind. Viele der Abbildungen erinnern tatsächlich vom Blickwinkel und der „Präperiertiefe“ an Bilder aus dem Netter- Atlas, die den amerikanischen Autoren wohl in gewisser als Vorbild dienten. Eine billige Kopie mit Computerabbildungen ist er deswegen jedoch nicht: vielmehr werden die bewährten Darstellungen durch hilfreiche Einzelheiten ergänzt und zum Teil auf mehrere Tafeln verteilt, wodurch ein besserer Überblick ermöglicht wird.

Eine weitere Stärke des Gray’s- Atlas ist der große Bezug zur Klinik. Auf vielen Seiten sind Querschnitte dargestellt, zum einen als Zeichnung, zum anderen als CT oder MRT- Bild direkt daneben. Dazu kommen noch zahlreiche Abbildungen zu beispielsweise den verschiedenen Möglichkeiten der Hernien, Auskultationsstellen am Herzen, Innervationsgebiete (auch die (sensible) Innervation des Bauchraums!), ausführliche Darstellungen der Head-Zonen, und solche Schmankerl wie Fotos von Augen, an denen gerade der rectus lateralis o. ä. zieht.

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