OSCE Prüfungsvorbereitung Chirurgie (Thieme)

Das relativ schmale (ca. 190, weit bedruckte Seiten) Thieme-Buch zum Chirurgie-OSCE ist 2011 in der Erstauflage erschienen. Herausgegeben wurde das Übungsbuch von Jana Jünger und Christoph Nikendei (Hrsg.), die das sogenannte „Kompetenzzentrum für Prüfungen in der Medizin / Baden-Württemberg“ vertreten. Die (neue) Approbationsordnung sieht eine verstärkte Verknüpfung von Theorie und Praxis in der medizinischen Ausbildung vor. Daher ist es Aufgabe dieses „Kompetenzzentrums“ mit Sitz in Heidelberg, die Einführung einheitlicher Standards in praktischen Prüfungen zu unterstützen und innovative Prüfungsformen zu etablieren.

Eine der innovativen Prüfungsformen ist eben das OSCE (objective, structured clinical examination), bei dem strukturiert und so möglichst objektiv die „praktischen Fertigkeiten“ eines jeden Chirurgie-Absolventen unter Zeitdruck eingeschätzt werden.

 

Was steht im Übungsbuch?

Das Buch gliedert sich in einen Aufgabenteil und in einen etwas stärkeren Antwortteil zu den Fragen, bei dem auch Tipps und Hinweise gegeben werden. Abgedeckt werden die Blöcke „Chirurgisches Patientenmanagement“, „Körperliche Untersuchung“, „Klinische Fertigkeiten“, „Befundung, Interprätation“ und „Aufklärung“ in je einem Kapitel mit vier bis 20 „Stationen“. Der Begriff „Station“ wir in Anlehnung an den Prüfungsvorgang verwendet, bei dem man (in Marburg) mit drei Prüfungssituationen (Stationen) konfrontiert wird, die man dann mit je 10 Minuten Zeit durchlaufen soll.

Unter „Patientenmanagement“ (21 Stationen) verstehen die Autoren nicht mehr und nicht weniger als den zielgerichteten Umgang mit Patienten. Dabei soll man lernen, fokussiert Anamnesen zu erheben, Untersuchungen „anzuordnen“, evtl. Bildgebung zu interpretieren und so über die Differentialdiagnosen zur Verdachtsdiagnose und einem Therapievorschlag zu kommen. Konkret werden also an jeder Station eine kurze Krankengeschichte und mögliche Antworten für die Anamnesefragen beschrieben – dies eignet sich übrigens ideal zum Üben im Zweierteam oder in der Gruppe dazu, dass einer den Patienten simuliert, der andere den Arzt. Dabei ist nicht nur die symptombezogene Anamnese wichtig, sondern auch ob der Arzt Vorstellungen über das weiter Vorgehen der Behandlung hat.

Im Kapitel „Untersuchung“ (8 Stationen) verlagert sich der Fokus weg vom vielen Reden hin zum Handanlegen an das Knie, den Bauch, die Schilddrüse oder den durchtrennten Finger, und weiteren wichtigen Körperteilen. Auch hier wird die Thematik durch eine kurze Fallgeschichte aufgepeppt. Die Übungsanweisungen sind entsprechend so beschrieben, dass man sich zum einen für die OSCE-Prüfung die richtige Methodik angewöhnt („Führen Sie eine Inspektion des Ellenbogens durch und kommentieren Sie, worauf Sie konkret achten!“), sich zum anderen aber auch für den klinischen Alltag seiner Handlungen und Untersuchungen klar wird. Auch hier, wie im nächsten Kapitel „Klinische Fertigkeiten“ (8 Stationen), findet man viele Abbildungen, die den Fall und die Befunderhebung veranschaulichen.

Bei „Klinische Fertigkeiten“ geht man nun von der Anamnese und Untersuchung einen Schritt weiter in Richtung Therapie („Legen Sie einen Tape-Verband am rechten oberen Sprunggelenkt korrekt an“!). In den beiden weiteren Kapiteln „Befundung“ und „Aufklärung“ (je vier Stationen) übt man noch die gezielte Anwendung seiner radiologisch-laborchemischen Sinne und „Gesprächsführung und Beziehungsaufbau“.

 

Für jede Mühe wird man letztendlich im Antwort-Teil entlohnt: Für jede passende Antwort oder Handlung (sich dem Patienten adäquat vorstellen, Jobes-Test an Schulter korrekt durchgeführt, etc.) gibt es Punkte, die dann im Sinne des OSCE-Konzepts zu einer objektiven Bewertung der Fertigkeiten führen. Dankbar kann man für die vielen Tipps im Antwortteil sein (am Tage der Darmspiegelung darf noch Tee und Wasser getrunken werden, etc.) – sie helfen direkt im Kontext des Falls sich auch noch den ein oder anderen fachlichen/ inhaltlichen Aspekt der Erkrankung bzw. Behandlung zu merken.

 

Was leistet das Übungsbuch?

Es stellt eine recht umfassende Hilfestellung dar, die chirurgischen Untersuchungstechniken systematisch zu üben. Dabei beschränkt sich der Inhalt nicht nur auf die reine Untersuchung, sondern vermittelt ein Gefühl für den angemessenen Umgang und die passende Behandlung eines Patienten.

 

Wer braucht das Übungsbuch?

Ehrlicherweise muss man an dieser Stelle sagen, dass sich die OSCE-Anforderungen an vielen Unis – so auch in Marburg – hauptsächlich auf die Gelenkuntersuchungen beschränken. Selbst um sich dafür gezielt vorzubereiten ist das Buch an sich schon wieder zu umfassend (Röntgenbild, Therapieempfehlungen, etc.). Ich sehe das Buch eher als hochwertiges Fall-Übungsbuch an, mit dem man (im höheren Semester) gezielt sich auf Krankheitsfälle vorbereiten und so Situationen durchspielen kann.

 

Fazit: Für das OSCE als Prüfungsvorbereitung alleine ist das Buch um einiges zu umfassend – als generelles Übungsbuch schätze ich es als wertvolle Quelle vieler Fälle mit zielführenden Fragestellungen und gutem Antwortteil ein.

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