Pressemitteilung des MFT „Zulassung zum Medizinstudium“

Hier die aktuelle Pressemitteilung des medizinischen Fakultätentages zur Zulassungsdebatte:

Wer darf Medizin studieren?
Der Bedarf an Ärzten hat Fragen zum Zulassungsverfahren für das Medizinstudium aufgeworfen. In der
Diskussion werden drei Punkte außer Acht gelassen: 1. Die breitgefächerten Zulassungsbedingungen
erlauben auch Bewerbern mit weniger guten Noten eine Zulassung. 2. Verwerfungen des
Gesundheitssystems lassen sich nicht durch Verpflichtungen von Schulabgängern für spätere
landärztliche Tätigkeiten korrigieren. 3. Durch seit Jahren real sinkende Landesmittel können die
Universitäten nicht noch mehr Mediziner qualitätsgesichert ausbilden.
Die geltenden Zulassungsregeln für staatlich reglementierte Studiengänge sehen weitgespreizte Verfahren vor.
Auf Basis des Staatsvertrages über die Vergabe von Studienplätzen sind seit Jahren notenunabhängige
Vorabquoten etabliert. In der Medizin werden über 15 Prozent der Studienplätze für besondere Antragsteller
reserviert. Mit einer Vorabquote von 8 Prozent für Bildungsausländer aus nicht-EU-Staaten erscheint
Deutschland als einsamer Spitzenreiter. Von den verbleibenden Studienplätzen dürfen die Universitäten 60
Prozent selber auswählen. Hierfür nutzen die Medizinischen Fakultäten auch Auswahlgespräche zur
Ergründung der Motivation, fachspezifische Studierfähigkeitstests und vielfältige Bonuspunktoptionen. Boni
werden u.a. für soziales Engagement und abgeschlossene medizinische Berufsausbildungen vergeben. Beim
Auswahlverfahren der Hochschulen haben auch geeignete Bewerber eine Chance, die Durchschnittsnoten bis
zu 2,5 erreichen. Für die Abiturbesten sind nach Besetzung der Vorabquoten ledig 20 Prozent reserviert.
Gerichtsurteile und Gesetze räumen jedoch der Abiturnote einen maßgeblichen Einfluss bei der Auswahl der
Studierenden ein. “Dies schafft Rechtssicherheit und sorgt dafür, dass eher die ein Medizinstudium aufnehmen,
die den gesetzlichen Prüfungsvorgaben gewachsen sind. Denn das Studium ist durch die neue Ärztliche
Approbationsordnung mit Prüfungsregularien überfrachtet worden. Lobbyisten drängen leider auf weitere
Erhöhungen der Prüfungsfächer und Pflichtveranstaltungen zugunsten ihrer Disziplinen“, erklärt MFT-Präsident
Professor Dieter Bitter-Suermann. Mit den vielen staatlich festgelegten Prüfungen haben gerade die
Studierenden die größten Probleme, die mit schlechteren Abiturnoten zugelassen wurden. Dazu zählen auch
die 20 Prozent, die aufgrund der Wartezeit zum Zuge kommen. “Die bestehenden Wartezeitregelungen und
Quoten gehören auf den Prüfstand, wenn noch mehr Ärzte erfolgreich ausgebildet werden und in Deutschland
bleiben sollen”, gibt Bitter-Suermann zu bedenken.
„Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass schlechtere Durchschnittsnoten zu besseren Ärztinnen und Ärzten
führen“, so Bitter-Suermann. Verschiedene Untersuchungen dokumentieren hingegen, dass gute Abiturienten
den staatlichen Prüfungsanforderungen besser gewachsen sind. Verwerfungen struktureller und finanzieller Art
des Gesundheitswesens sowie fehlende familienfreundliche Arbeitsbedingungen können die Medizinischen
Fakultäten nicht heilen. Diagnose und Therapie müssen schließlich zueinander passen. So ist eine
Landarztquote mit langjährigen beruflichen Verpflichtungen für Studienanfänger keine zielführende Maßnahme.
Wohl kaum ein Abiturient kann sich mit 18 Jahren auf die Landarzttätigkeit festlegen. Erst im Studium lernt man
die vielen Facetten der Medizin kennen. Die fachärztliche Spezialisierung ist erst später möglich. Wie wenig
Vorabquoten ausrichten, wenn die Perspektiven nicht stimmen, zeigt die Bundeswehr. Trotz eigener
Vorabquote sind 600 Stellen für Sanitätsoffiziere unbesetzt. „Die Vorgaben für das Medizinstudium dürfen nicht
weiter erhöht werden, die Bürokratisierung muss reduziert werden“, fordert Bitter-Suermann. “Breit gefächerte
Zulassungsbedingungen existieren bereits. Die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden.”
“Seit zehn Jahren ist die Summe der Landesmittel für die ärztliche Grundausbildung in Deutschland faktisch
eingefroren. Sämtliche Kostensteigerungen müssen durch Einsparungen und Leistungsverdichtungen
aufgefangen werden”, erläutert Bitter-Suermann. “Das ebenfalls unveränderte Kapazitätsrecht belastet die
Universitäten noch dazu mit fast 20.000 Zulassungsklagen für die rund 10.000 Medizinplätze”, kritisiert der
MFT-Präsident. “Wenn es die Politik für sinnvoll erachtet, die Anzahl der Ärzte pro Einwohner noch weiter zu
erhöhen, dann muss sie auch die laufenden Mittel für die Kapazitätserweiterung bereitstellen und den
baulichen Erhalt der Standorte sichern.”

Ansprechpartnerin:
Verena Wirwohl – Ass. iur. –
MFT – Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland,
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: 030/6449 8559 -15, Fax: -11 Mobil: 0179/8015660,
E-Mail: wirwohl@mft-online.de

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