Prometheus: Kopf, Hals und Neuroanatomie (Thieme)

Prometheus – LernAtlas der Anatomie

Kopf, Hals und Neuroanatomie
2. Auflage

„Wenn Du das Mögliche erreichen willst, musst Du das Unmögliche versuchen“ (Rabindranath Tagore)

Ob die fünf Autoren diesem Spruch, den sie sich für die Einleitung gewählt haben, gerecht werden, zeigt sich bei einem tieferen Blick in das Werk.

Die bei vielen Studenten beliebte Prometheus-Anatomie-Reihe ist dieses Semester in der 2., überarbeiteten Auflage erschienen.

Die Kopf-Neuro-Ausgabe präsentiert sich in einem optisch aufgewerteten Thieme-Design (wie es schon bei der 1. Auflage der Fall war) und wurde um einen Hals-Teil erweitert. Diese Umlagerung der Hals-Kapitel von Thorax-Abdomen zu Kopf-Neuro macht logisch wohl Sinn, da sich die Bände nun an der Aufteilung der Testat-Themenkomplexe orientieren (zumindest passend zur Reihenfolge, wie sie in Marburg üblich ist). Andererseits werden Prometheus-Fans womöglich mit Kapitelüberschneidungen oder, was unpassender wäre, dem Fehlen der Hals-Kapitel konfrontiert, wenn sie nicht alle drei Bände aus derselben Auflage besitzen.

Die Erfolgsgeschichte der Prometheus-Reihe gründet sich in ihrer bis dato scheinbar neuen Konzeption, sowohl Atlas als auch Lehrbuch zu sein (Konzept LernAtlas). Damit reagiert man auf den Drang, viel Wissen in wenige Zeilen zu packen und weniger umfassende Lehrbücher als mehr Kurzlehrbücher zu veröffentlichen.

Somit kann man das Buch in zwei konzeptuelle verwachsene Bereiche aufteilen: dem Anatomieatlas und den Lehrbeschreibungen.

Der Kopf-Hals-Neuro-Band ist ein ausgezeichneter Atlas mit sehr vielen verschiedenen Abbildungen. Sie unterscheiden sich häufig nur minimal, was eine hohe Detaildichte ermöglicht, gleichzeitig aber unverhältnismäßig viel Platz benötigt. Die Bilder sind sehr plastisch und zeigen deutlich die wichtigen Strukturen, auf die in den Begleittexten hingewiesen wird. Auf vielen Seiten sind bis zu fünf Bilder auf eine Seite gesetzt. Im Allgemeinen werden hierdurch die Abbildungen für mein Empfinden sehr klein (im Vergleich zu eigenständigen Anatomie-Atlanten). Für alle mit guten Augen ist dies aber eher ein nebensächliches Problem. Hervorzuheben sind die vielen und sehr guten Schnittbilder, die in mehren Ebenen den Kopf und Hals und auch des Gehirns gezeigt sind und so einen riesigen Lerneffekt haben – was im Neurokurs und in Anbetracht der bildgebenden Diagnosefindung hilfreich ist.

Die schon erwähnten Beschreibungen zu Abbildungen sind minimalistisch à la Kurzlehrbuch gehalten. Nichts desto trotz werden die topographischen Aspekte meist hervorragend abgehandelt. Gut sind viele Hinweise auf anatomische Varianten (inklusive einigen kleinen Zeichnungen).

Die funktionelle Anatomie ist in den Textteilen sehr spartanisch gehalten. Gerade die komplexen Hirnnervenverläufe oder die neuroanatomischen Systeme können alleine mit Schaubildern nicht hinreichend erfasst und erklärt werden. Daher sehe ich die Prometheus-Reihe bzw. den Kopf-Hals-Neuro-Band als exzellente Ergänzung zu einem guten Anatomie-Lehrbuch. Den Anspruch, neben einem umfassenden Atlas auch ein vollwertiges Lehrbuch darzustellen, kann dieses Werk nicht erfüllen – dies war, denke ich, jedoch auch nicht die Intention der Autoren. Sie wollten vielmehr eine weitere Lernhilfe schaffen, um schon Gelerntes direkt im Atlas zu rekapitulieren und nachzuschlagen. Und diesen Zweck erfüllt dieses Buch voll und ganz.

Die Idee, die Anatomie in eine knappe Lehrbuch-Atlas-Serie einzukochen, ist das Unmögliche, da beim Kochvorgang zu viel Wichtiges verdunstet. Entsprechend dem eingangs genannten Spruch von R. Tagore haben die Autoren jedoch das Mögliche geschafft: Das Ergebnis ist ein ansprechender Atlas mit vielen Lernstützen.

Der Buchpreis beträgt 56,50 €.

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