Taschenatlas Biochemie des Menschen

Taschenatlas Biochemie des Menschen von Koolman/Röhm, Thieme

Der Biochemie-Taschenatlas von den Marburger Professoren Koolman und Röhm ist dieses Semester in der vierten Auflage in den Handel gekommen.

Äußerlich präsentiert sich der Atlas im blau-weißen Thieme-Design mit einer repräsentativen Proteinstruktur ansprechend und scheint durchaus weiterentwickelt im Vergleich zu vorherigen Ausgaben – nicht nur, weil er um einige Seiten dicker geworden ist. Dieser Anschein bewahrheitet sich auch im Inneren des Taschenlehrbuchs: Das Layout wurde grundlegend überarbeitet und somit die Artikel, Themenkomplexe und natürlich die Schautafeln in ein übersichtliches und gut durchdachtes System gepasst. So gibt es nun zum Beispiel farbige Daumenregister, die das Navigieren durch die neun Kapitel vereinfachen.

Die vierte Auflage richtet sich speziell an Studierende der (Human-) Medizin und der Biomedical Science. Dies zeigt sich nicht nur in einer Titeländerung (aus „Taschenatlas der Biochemie“ wird „Taschenatlas Biochemie des Menschen“), sondern gerade in einer verstärkten Schwerpunktsetzung auf medizinische Themen. So wird im Vergleich zur vorherigen Ausgabe zum Beispiel auf die Abhandlung des Komplexes Photosynthese verzichtet, gleichzeitig wächst die Seitenzahl aber an vielen klinischen Bezügen. Darunter fallen viele pathobiochemische Artikel, die sowohl in den Fließtext eingearbeitet sind, als auch auf ganzen Doppelseiten Raum finden (wie zum Beispiel ein relativ umfassender Überblick zu „Erkrankungen des Nervensystems“.)

Auch den sehr plakativen und selbsterklärenden Schaubildern und Diagrammen, die wie in den vorherigen Auflagen auf der jeweils rechten Seite angeordnet sind, wurde ein Feinschliff verpasst. Die Schautafeln sind konzeptuell in den Mittelpunkt gestellt; der Text liegt zwar parallel dazu, ist jedoch an zweite Stelle geordnet. Wenn es das Anliegen der Autoren war, auf diese Weise einen (Bilder-) Atlas für eine weite Übersicht über die komplexe Thematik zu schaffen, ist dieses gut gelungen.

Inhaltlich wurden die Artikel auf den neuesten Stand der Forschung gebracht und mit vielen Verweisen auf aktuelle Forschungsprojekte versehen. So verstehen die Autoren den Text nicht als etwas absolutes, sondern sind sich der Dynamik und Relativität des schnell wachsenden Wissens bewusst.

Weiterhin überschreitet der tafelbegleitende Text in Detailtiefe an vielen Stellen den Anspruch, eine bloße Übersicht über die Thematik zu schaffen. So handelt der Taschenatlas als kleines Lehrbuch die komplette Biochemie-Grundlagen ab. Die weitere Thematik, angefangen bei Stoffwechsel, über molekulare Genetik bis Signalsysteme und Entwicklung, wird grundliegend dargestellt und ermöglicht es sowohl dem Neuling als auch dem (fast) allwissenden Nachschlager, schnell aber gründlich an die gewünschte Information zu kommen.

Gerade für die Marburger Mediziner (und vielleicht auch Humanbiologen) ist der neue Koolman/Röhm wirklich empfehlenswert, nicht nur weil auch viele Dozenten Abbildungen und Informationen aus diesem Werk übernehmen. Die Investition – auch wenn der Taschenatlas dann „nur“ dem schnellen Lernen im Bus zum Praktikum dient – lohnt sich bei 32,95€ für 220 Farbtafeln auf 529 Seiten.

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