Topographische Anatomie (Schattauer)

rohentopoAuch heute noch nimmt die Anatomie nach wie vor eine herrausragendes Stellung in der Ausbildung junger Mediziner ein. Wichtige Strukturen müssen verstanden und intensiv gepaukt werden, damit in Prüfung und Testat auch alles glatt läuft. Doch was ist mit der Zeit danach? Ist man erst mal im klinischen Studienabschnitt angekommen treten viele Details der altbekannten Anatomie plötzlich in den Hintergrund und werden durch neue – klinisch relevantere – verdrängt. Das Buch gibt einen gebündelten Überblick über die wichtigsten anatomischen Strukturen und ihre Bedeutung für den klinischen Alltag, wobei das Hauptaugenmerk natürlich auf Leitungsbahnen und der präzisen Lage einzelner Strukturen zueinander liegt. Ergänzt wird das Ganze durch viele Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen die einen noch größeren Praxisbezug herstellen sollen und dem Leser die Möglichkeit bieten sich auch im „physiologischen Bild“ zurechtzufinden.

Gedacht ist das Buch somit für Studenten im klinischen Teil des Studiums, aber auch für praktizierende Ärzte. Jedoch ist es nicht als klassisches Nachschlagewerk zu verstehen, da es durchaus lange Textabschnitte enthält und auch zum Lesen animieren möchte. Wer also ein eher tabellarisches Werk sucht, wäre mit anderen Büchern besser beraten.
Behandelt wird die gesamte topographisch-makroskopische Anatomie untergliedert in die Teilgebiete Rumpf, obere Extremität, untere Extremität, Hals und Kopf, Brust- und Bauchsitus sowie Becken und Genitalapparat.
Begleitet von hervorragenden Illustrationen lernt man in jedem Kapitel etwas zu Lageverhältnissen und räumlicher Aufteilung des besprochenen Gebietes, sowie dessen Leitungsbahnen. Zusätzlich vervollständigen regelmäßig klinische Beispiele und Ausführungen zu anatomischen Normvarianten den Text und tragen so auch in entscheidender Weise zum Verständnis bei. Kleine Tabellen und Listen runden kompliziertere Abschnitte ab und bieten so auch die Möglichkeit Neugelerntes schnell zu rekapitulieren.

Die Illustrationen des Buches befinden sich in puncto Detailtreue sicherlich nicht auf dem Niveau eines Anatomie-Atlasses, erfüllen aber wahrscheinlich gerade deswegen sehr gut ihren Zweck. Komplizierte Lageverhältnisse werden oft in zwei bis drei Ansichten überaus anschaulich und mit Blick auf die wesentlichen Merkmale dargestellt – eine Leistung, die ein Atlas in der Regel nicht vollbringt. In sofern wird die „topographische Lücke“ zwischen Lehrbuch und Atlas durch dieses Buch sicher geschlossen.

Didaktisch folgt das Buch einer rigiden, aber übersichtlichen Gliederung die logisches Suchen und Finden ermöglicht. Schön wäre in diesem Zusammenhang ein längeres Daumenregister, welches einem das Blättern etwas erleichtern könnte.
Innerhalb eines Kapitels werden die Organsysteme und Strukturen nach der Reihe ihrer Lage besprochen. Separate Zusammenfassungen oder Einleitungen zu Beginn der Sinnabschnitte gibt es nicht. Auch auf Lernhilfen wurde weitestgehend verzichtet, was aber nur den Charakter des Buches als „klinischen Begleiter“ unterstreicht.

Preislich muss man dieses Werk mit 36,95 € eher im mittelteuren Bereich ansiedeln, was aber angesichts der Sonderstellung der topographischen Anatomie und der wenigen erhältlichen Büchern zu diesem Thema auch wieder als relativ anzusehen ist.

Wer aus klinischer Sicht einen umfassenden Überblick zur Topographie sucht und wem Tabellen oder Leitungsbahn-Schemata zu wenig oder zu ungenau sind, der wird an diesem Buch seine Freude haben. Auch Studenten des vorklinischen Studienabschnitts können mit Sicherheit viel von diesem Buch profitieren, wenngleich das hier vermittelte Wissen teilweise sehr speziell ist.

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